Schreibprojekt „Zugverspätung“

Der Zug steht. Seit zwei Stunden.

Unterschiedliche Protagonisten, einzelne Schicksale, vielfältige Ausdrucksformen, das ist das Ziel unseres gemeinsamen Schreibprojektes „Zugverspätung“.

In jedem Waggon sitzt ein anderes Schicksal.

Jeder Teilnehmer hat sich seine Waggonnummer erwürfelt. Waggon 1 bis 10 – zehn verschiedene Protagonisten schildern ihre Situation. Die Ausdrucksform? Verschieden. Gleich ist nur die Ausgangssituation.

Die Ausgangssituation.

Ein Zug auf dem Weg nach Leipzig. Nieselregen legt sich wie ein Schleier über die Landschaft. Dann – ein Halt. Unerwartet. Grundlos.

Eine Durchsage folgt sofort.
„Bitte bleiben Sie auf Ihren Plätzen. Die Weiterfahrt verzögert sich.“
Die Minuten vergehen.

Nach dreißig Minuten die nächste Durchsage. Wortgleich. Ruhig. Unverändert.
Niemand vom Zugpersonal zeigt sich.
Die Türen bleiben verschlossen – zwischen den Waggons, nach draußen. Kein Aussteigen. Kein Weitergehen. Es ist inzwischen nach zwölf.
Der Zug steht noch immer. Was geschieht, wenn Bewegung zum Stillstand wird?
Wenn Zeit sich dehnt – und Gewissheiten mit ihr verschwinden?
Ein Schreibprojekt über das Warten. Und das, was dabei in Bewegung gerät.